Sechs Frauennamen zieren Straßenschilder in Olden Hof – wer waren die bekannten Frauen der Harsewinkeler Lokalgeschichte?

Die Käthe-Mendels-Straße im Neubaugebiet Olden Hof Harsewinkel (Foto: Stadt Harsewinkel).

Noch handelt es sich bei dem Neubaugebiet Olden Hof um eine Baustelle, doch die Straßenschilder stehen bereits. Sechs Persönlichkeiten der Lokalgeschichte wurden für die Benennung der Straßen herangezogen und es zeigt sich, dass das Straßenbild in Harsewinkel weiblicher geworden ist: Paula Claas, Gertrud Söte, Schwester Cordula, die mit weltlichem Namen eigentlich Cornelia Konersmann hieß, Agnes Röseler, Käthe Mendels und Antonia Diepenbrock standen als Namenspatinnen bereit.

Stadtarchivarin Nicole Kockentiedt gibt einen kleinen Überblick darüber, wer die bekannten Frauen der Harsewinkeler Lokalgeschichte waren, wann sie lebten und wie sie Harsewinkel durch ihr Wirken prägten.

Paula Claas, geb. Siepenkort – geb. 28.07.1898 Freren, verst. 21.07.1997 Harsewinke.

Paula Claas wirkte 23 Jahre lang als Prokuristin und leitete das Exportgeschäft des Unternehmens. Sie trug damit aktiv zum Aufbau und zum internationalen Erfolg des Landmaschinenherstellers bei.

Sie wirkte zudem viele Jahre als erste Vorsitzende der Kath. Frauengemeinschaft St. Lucia und ist bis heute für ihr gesellschaftliches und kirchliches Engagement bekannt. Neben dem Heimatorden des BSV erhielt sie 1988 den Ehrenring der Stadt.

Schwester (Maria) Cordula – Cornelia Konersmann – geb. 20.12. 1913 in Natrup-Hagen, verst. 09.07.2006 in Essen.

Als Franziskusschwester der Familienpflege kümmerte sich Schwester Cordula 33 Jahre lang um Familien und pflegebedürftige Mitmenschen in Harsewinkel. 1986 wurde ihr für dieses Engagement als erster Frau in Harsewinkel der Ehrenring verliehen.

Gertrud Söte, geb. Grundmeier – geb. am 21.10.1908 in Harsewinkel, verst. am 06.10.2010.

Gertrud Söte wurde schon früh mit persönlichen Schicksalsschlägen konfrontiert: Nach dem Tod der Mutter gab Gertrud Söte ihre Anstellung als Erzieherin auf und kümmerte sich fortan um die Bestellung des Feldes und um die fünf Geschwister. Nachdem 1945 der Ehemann im Krieg gefallen war und Anfang der 50er Jahre ihre Schwägerin durch einen Unfall verstarb, nahm sie sich als  Pflegemutter der drei Neffen und weiteren Kindern an. Neben den zwei eigenen Kindern kümmerte sie sich im Verlauf ihres Lebens um etwa zehn Pflegekinder.

Agnes Röseler, geb. Siethoff – geb. 28.01.1915 bei Dortmund, verst. 07.05.2006.

Agnes Röseler kam Anfang der 70er-Jahre nach Harsewinkel, wo sie eine Anstellung in der Firma Claas annahm. Für ihr soziales Engagement im DRK und VdK ist sie bereits zu Lebzeiten ausgezeichnet worden, u.a. erhielt sie 1987 den Heimatordens des BSV Hsw. und 1990 das Bundesverdienstkreuz.

Käthe Mendels, geb. Herzberg – geb. 25.02.1895 Gütersloh, verst. am 27.12.1980 Sydney, New South Wales.

Käthe Mendels lernte zunächst Modistin und war u.a. für die Firma Miele tätig. Jüdischen Glaubens floh sie mit ihrer Familie 1939 vor der nationalsozialistischen Verfolgung und begann ein neues Leben in Australien. Ihre Memoiren, veröffentlicht in der Harsewinkeler Ortschronik,stellen heute einen bedeutenden Beitrag zur Lokalgeschichte und einen Akt der Versöhnung mit der einstigen Heimat dar.

Antonia Diepenbrock – geb. 13.06.1854 , verst. 1938 in Münster.

Antonia Diepenbrock entstammte der Harsewinkeler Verwaltungsfamilie Diepenbrock und gehörte zu den ersten Lehrerinnen in Harsewinkel. 1878 absolvierte sie ihr Examen, danach unterrichtete sie ungefähr zehn Jahre lang in Köln bis eine Stelle an der Kath. Volksschule in Harsewinkel frei wurde. Sie wurde am 01.01.1914 pensioniert.

Trotz der Schwierigkeiten, die diese berufliche Stelle mit sich brachte (Lehrerinnenzölibat, Ledigensteuer) entschied sich Antonia Diepenbrock gegen die Ehe und dafür ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten.

 

 

(Text- und Bildquelle: Stadt Harsewinkel)